Braunschweig: Ein Betreiber-Ehepaar steht vor Gericht, weil es Bewohner eines Pflegeheims systematisch sediert und eingesperrt haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft Misshandlung von Schutzbefohlenen, gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung in besonders schwerem Fall sowie gewerbsmäßiger Bandenbetrug vor. Insgesamt 17 Fälle legt die Staatsanwaltschaft Braunschweig ihnen zur Last. Eine 59-jährige Angeklagte - die ehemalige Pflegedienstleiterin - soll Beihilfe geleistet haben. Es geht um den Zeitraum zwischen Oktober 2017 und September 2020. Damals hatte das Ehepaar laut Staatsanwaltschaft ein "umfassendes Herrschaftsregime" in dem Pflegeheim im Langelsheimer Ortsteil Wolfshagen eingerichtet. Nach Angaben der Ermittler kontrollierten die beiden alles bis ins kleinste Detail. Und offenbar wollten sie auch so viel Ruhe wie möglich haben: Um einen störungsfreien Pflegebetrieb zu gewährleisten, sollen sie "besonders lauffreudige" Bewohner jahrelang mit Medikamenten ruhiggestellt und in ihren Zimmern eingesperrt haben - bei manchen sollen einfach die Bettgitter hochgezogen worden sein. "Von den missbräuchlich verwendeten Arzneimitteln wussten weder die Bewohner, noch deren Angehörige oder die Ärzte etwas", so Oberstaatsanwalt Hans Christian Wolters. Die gesundheitlichen Risiken für die Bewohner seien dem Betreiber-Ehepaar gleichgültig gewesen, ist Oberstaatsanwalt Wolters überzeugt. Es sei ihnen auch darum gegangen, möglichst hohe Gewinne zu erzielen. "Sie wollten erreichen, dass die Betroffenen einen höheren Pflegegrad bekommen und die Pflegekasse entsprechend mehr für sie zahlt", sagt Wolters. Dazu habe die Heimleiterin den Gutachtern gegenüber falsche Angaben über den Gesundheitszustand der Betroffenen gemacht. In Einzelfällen soll sie Bewohnerinnen und Bewohner vorab mithilfe von bewusstseinstrübenden Medikamenten außer Gefecht gesetzt haben.
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Braunschweig-Pflegeheim: Betreiber-Ehepaar vor Gericht
Braunschweig: Ein Betreiber-Ehepaar steht vor Gericht, weil es Bewohner eines Pflegeheims systematisch sediert und eingesperrt haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft Misshandlung von Schutzbefohlenen vor.
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